Ausstellung „Luftpost – Alliierte Flugblätter des Zweiten Weltkriegs“

24. Januar 2015
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Alliiertes US-amerikanisch/britisches Flugblatt in der Form eines Passierscheins, 1944, Code-Zeichen US/GB-ZG61.A – 1944, 17,6 x 10,7 cm, Buchdruck auf Papier, Vorderseite / Bildnachweis: Privatbesitz, Foto: Bernd Thier

Meine neue Ausstellung im Stadtmuseum Münster: „Luftpost – Allierte Flugblätter aus dem Zweiten Weltkrieg“

Vor 70 Jahren endete im April 1945 mit dem Einzug alliierter Truppen für Münster der Zweite Weltkrieg. Seit 1941 hatten Amerikaner und Briten bei über 100 Luftangriffen Tausende von Spreng- und Brandbomben über Münster abgeworfen und den größten Teil der Altstadt in Trümmer gelegt.

Heute weniger bekannt ist, was die Alliierten sonst noch über Deutschland und auch über Münster verteilten. Die Ausstellung „Luftpost – Alliierte Flugblätter aus dem Zweiten Weltkrieg“ zeigt die ungewöhnliche Sammlung von Flugblättern von Heinz Hesener (1928–1973) aus Horstmar, die dieser als Jugendlicher während des Krieges in den Jahren 1940 bis 1945 in und um Horstmar, Coesfeld und Münster selbst aufgesammelt und aufbewahrt hat.

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Alliiertes US-amerikanisch/britisches Flugblatt in der Form eines Passierscheins, 1944, Code-Zeichen US/GB-ZG61.A – 1944, 17,6 x 10,7 cm, Buchdruck auf Papier, Rückseite mit den Grundsätzen des Kriegsgefangenenrechts nach der Haager Konvention von 1907 bzw. der Genfer Konvention von 1929 / Bildnachweis: Privatbesitz, Foto: Bernd Thier

 

Sein Bruder Anton brachte ihm außerdem russische Flugblätter von der Ostfront mit. Als „Feindpropaganda“ bezeichnet, waren der Besitz und vor allem die Weitergabe solcher Flugblätter streng verboten und konnten mit Gefängnis oder noch Schlimmeren bestraft werden. Ob sich Heinz Hesener, der später in Münster lebte und arbeitete, der Gefahr bewusst war, in die er sich begab, ist heute nicht mehr bekannt.

Seine damals zusammengetragenen fast 90 britischen, amerikanischen und russischen Originalflugblätter zeugen von dem Versuch der Alliierten, die Bevölkerung über die Geschehnisse an den Kriegsschauplätzen und im Deutschen Reich zu informieren. Die deutschen Soldaten sollten zur Überlaufen bewegt werden. Die Wirkung dieser Art von Propaganda ist umstritten und wurde oft verächtlich „Papierkrieg“ genannt. Damals hatte man jedoch die Hoffnung, durch echte Fakten die von der nationalsozialistischen Propaganda geprägte öffentliche Meinung gegen das Terrorregime zu beeinflussen.

Über 20 Milliarden Flugblätter wurden so während des Zweiten Weltkrieges über Europa abgeworfen. Mehrere Tausend verschiedene Ausgaben sind bekannt. In Münster landeten die ersten dieser „Luftpostsendungen“ bereits am 4. September 1939, dem vierten Kriegstag. Bis zum März 1945 sollten viele weitere Flugblätter folgen, ehe alliierte Soldaten am 2. April in die Stadt einzogen. Für viele der Blätter aus der Sammlung Hesener ist ein Nachweis des Abwurfes auch über Münster belegt.

Zu sehen sein wird in der Ausstellung eine Auswahl der Flugblätter im Original. An einem Computerterminal sind außerdem alle Exemplare der Sammlung mit wichtigen Informationen aufrufbar.

Näheres unter Stadtmuseum Münster

 

 



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